Wohnwunder

Leeres Zimmer einrichten: vom Nichts zum Raum

Ein leeres Zimmer gibt keine Hinweise. Jeder andere Raum sagt dir, was er ist — dieser wartet darauf, dass du es entscheidest.

Leeres Zimmer, vorherVorher
Leeres Zimmer, neu eingerichtetNachher
Gleicher Raum, gleiches Fenster, gleiche Schrägen. Fünfmal derselbe Grundriss, fünfmal ein anderes Zimmer.

Warum der leere Raum der schwerste ist

Bei jedem anderen Zimmer steht die Frage schon halb beantwortet im Raum. Ein Bett bedeutet Schlafzimmer, ein Sofa Wohnzimmer, und man überlegt nur noch, was besser stehen könnte. Ein leerer Raum hat diese Vorgabe nicht. Die erste Entscheidung ist nicht, wie er aussehen soll, sondern was er überhaupt wird.

Dazu kommt eine Falle, in die fast alle tappen: Ein leerer Raum wirkt größer, als er möbliert ist. Wer im leeren Zimmer steht und ein Sofa bestellt, unterschätzt regelmäßig, wie viel danach übrig bleibt. Deshalb lohnt es sich, den Raum einmal in verschiedenen Nutzungen zu sehen, bevor irgendetwas gekauft wird.

Fünfmal derselbe Raum

Kein Stilwechsel, sondern ein Nutzungswechsel. Fenster, Schrägen und Grundriss bleiben in allen fünf gleich.

  • Leeres Zimmer: Als Wohnzimmer

    Als Wohnzimmer

    Modulares Sofa an die niedrige Wand, Sessel gegenüber, freie Mitte.

  • Leeres Zimmer: Als Schlafzimmer

    Als Schlafzimmer

    Doppelbett unter der Schräge, schmale Kommode am Fenster.

  • Leeres Zimmer: Als Kinderzimmer

    Als Kinderzimmer

    Einzelbett, niedrige Regale unter der Schräge, viel freier Boden.

  • Leeres Zimmer: Als Arbeitszimmer

    Als Arbeitszimmer

    Schreibtisch zum Fenster, Ablage unter der Schräge, Wandregale.

  • Leeres Zimmer: Als Gästezimmer

    Als Gästezimmer

    Bett, Schrank unter der Schräge, Bank am Fußende für Gepäck.

Sechs Dinge, die in jedem leeren Raum gelten

Abgelesen an den Beispielen oben. Die ersten beiden entscheiden alles Weitere.

  • Erst die Nutzung festlegen, dann den Stil

    Ob der Raum Gästezimmer oder Arbeitszimmer wird, verändert die Einrichtung stärker als jede Stilentscheidung. Umgekehrt lässt sich fast jeder Stil in fast jede Nutzung übersetzen.

  • Unter die Schräge kommt, was niedrig ist

    Bett, Sofa, Regal, Sideboard — alles, wofür man nicht stehen muss. In den fünf Beispielen ist unter den Schrägen kein einziges hohes Möbelstück, und die wenigen Stellen mit voller Raumhöhe bleiben für das frei, wovor man wirklich steht.

  • Stauraum niedrig und in die Länge

    Regalwürfel, flache Sideboards, niedrige Schränke entlang der gegenüberliegenden Schräge. Ein hoher Schrank passt nur an die eine gerade Wand, und die braucht man meist für etwas anderes.

  • Das Fenster bleibt frei — oder bekommt einen Schreibtisch

    In vier Beispielen steht davor nichts. Im Arbeitszimmer steht dort der Schreibtisch, und das ist die einzige sinnvolle Ausnahme: Ein Schreibtisch ist flach genug, um das Licht nicht zu nehmen, und beim Arbeiten schaut man ohnehin gern nach draußen.

  • Ein Deckenhaken ist keine Beleuchtung

    Im Vorher-Bild hängt genau ein Anschluss in der Raummitte. In jeder Variante kommt Licht an zweiter und dritter Stelle dazu: Leuchte, Lampe neben dem Möbel, Licht entlang der Schrägenkante.

  • Der Teppich markiert, wo nichts steht

    In allen fünf liegt er in der freien Mitte. Er macht aus Restfläche eine Absicht — und zeigt beim Planen sofort, wie viel Bewegungsraum wirklich übrig bleibt.

Was könnte aus deinem Zimmer werden?

Lade ein Foto hoch und sieh denselben Raum als Wohn-, Schlaf- oder Arbeitszimmer. Durchdacht eingerichtet, ohne Vorkenntnisse.

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Wenn die Nutzung feststeht